Pfarrbrief

2. Pfarrbrief 2020

Zum Download des Pfarrbriefs bitte auf den Titel klicken.

Liebe Leserinnen und Leser,

Ich hoffe sehr, dass Sie diese Zeilen bei guter Gesundheit lesen können.
Wir alle kennen wohl kaum einen Menschen, dessen alltägliches Leben nicht durch die CoronaPandemie berührt worden ist. Die sozialen Medien haben uns in den vergangenen Wochen mit Informationen, Statistiken, Prognosen und Lebensgeschichten überflutet. Leider waren und sind auch Berichte dabei, die weniger zur Kategorie einer seriösen Information als vielmehr parteipolitischer Propaganda gehören. Dies ist übrigens genauso wie die Pandemie, ein globales Phänomen.
Wenn wir auch in unserem Pfarrverband glimpflich davon gekommen sind, dann liegt das nicht zuletzt auch an den teils drastischen Maßnahmen, die uns auferlegt wurden und Wirkung zeigten.

In die Vielfalt der Meinungen und Bewertungen mischen sich auch Fragen: Was haben die Beschränkungen mit mir, meiner Ehe, meiner Familie, meinem Arbeitsplatz gemacht? Welche Konsequenzen ziehe ich für meine Zukunft, meinen Lebensstil, meine Erwartungen an die Politik, die Wissenschaft, die Wirtschaft, das kulturelle Leben, an das Miteinander in der Gesellschaft? Der vor Gott stehende Mensch mag sich die Frage stellen: Welche Botschaft von Gott beinhaltet die Pandemie für die Menschheit insgesamt, aber auch für jede/n Einzelne/n von uns? Wahrscheinlich ist es keine „einzige“ Botschaft, sondern es sind viele Botschaften. 8 Wochen lang gab es keine öffentlichen Gottesdienste in unseren Kirchen, seit Mitte März fallen alle geselligen Veranstaltungen in den Pfarrheimen aus, direkte Begegnungen geschahen auf Distanz und nur sporadisch. Kurzum, das uns vertraute Geschäftsmodell als Gemeinde, die sich in und um die Kirchen begegnet, ist uns abhanden gekommen. Was wird an seine Stelle treten? Wie und wo erleben wir uns als Gemeinschaft der Glaubenden? Was habe ich in diesen Wochen kirchlich gesehen vermisst? Persönlich rechne ich nicht mit der Rückkehr zur alten Normalität. Wenn wir darauf warteten, würden wir die Chance verpassen, Antworten auf diese Fragen zu suchen.
Dass es nicht so weiter geht wie zuvor, zeigt sich nicht zuletzt auch in unserem Seelsorgeteam. Es war sicherlich keine Überraschung, dass Pfr. Reischle und Pfr. Gerbl während den Beschränkungen nicht wie gewohnt Gottesdienste übernehmen konnten. Inzwischen hat Pfr. Gerbl wieder begonnen, die Eucharistie am Mittwochabend in Heilig Kreuz zu feiern. Wie Sie aus dem kleinen Artikel von Pfr. Reischle auf den folgenden Seiten ersehen können, ist er für sich zu dem Entschluss gekommen, sich gänzlich aus dem aktiven Dienst zurückzuziehen. Näheres dazu lesen Sie dort. Meinerseits möchte ich ihm an dieser Stelle auch im Namen aller anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für fast 20 Jahre Mithilfe in unseren Gemeinden danken. Eine offizielle Verabschiedung wird es geben, sobald die Umstände dies erlauben.
In den vergangenen Wochen war davon die Rede, welche Berufe „systemrelevant“ seien. Wir können und müssen uns als Kirche auch die Frage stellen, inwiefern wir relevant sind. Spüren die Menschen um uns herum, dass es einen Unterschied macht, wenn wir aus der Begegnung mit Jesus leben? Begegnungen können eine Beziehung fördern oder sie behindern. Welche Begegnungen haben wir in den vergangenen Wochen am meisten vermisst? Ich selbst habe gespürt, wie sehr mein Leben durch die Begegnungen mit Ihnen bereichert wird, wie sehr ich auf diese Begegnungen bei den unterschiedlichen Anlässen angewiesen bin. Das Gleiche kann ich auch von der Begegnung mit Gott im Gebet und in der Feier der Eucharistie sagen. P. Stephen und ich
haben es uns zur Gewohnheit gemacht, dass wir morgens abwechselnd durch das Gebetder Erzdiözese und das Gebet auf unserer Homepage die von der Pandemie betroffenen Menschen in all ihrer Vielfalt vor Gott gebracht haben. Wir taten und tun dies angesichts der Ohnmacht, die uns die jetzige Situation vor Augen führt. Ehrliche Politiker und Wissenschaftler erkennen die Grenzen ihrer Möglichkeiten, ihre schiere Hilflosigkeit an und suchen miteinander nach einer Antwort auf das Virus. Andere vermeinen ihre uneingeschränkte Macht demonstrieren zu können und scheinen „beratungsresistent“ zu sein. Für die einen wie für die anderen erbitten wir die Gaben des Heiligen Geistes.
Diesen Geist brauchen auch wir im Pfarrverband, wenn ich an die kommenden Monate denke. Am Ende des Pfarrbriefs finden Sie wieder die Liste mit den Veranstaltungen bis Ende November. Ob und in welcher Form sie stattfinden werden, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab. Im Seelsorgeteam bemühen wir uns, verantwortungsbewusst Entscheidungen zu treffen, die das gesundheitliche Wohl der Einzelnen als auch der Gemeinde schützen.
Wir wünschen Ihnen, auch unter den besonderen Umständen dieser Ferien- und Urlaubszeit, erholsame Tage. Genießen Sie allein und mit anderen in vollen Zügen das, was im eigenen Garten oder in der freien Natur möglich ist, und bleiben Sie gesund!

Herzlichst Ihre Seelsorger
P. Stephen, P. Klaus und Pfr. Gerbl