Pfarrbrief

2. Pfarrbrief 2021

Zum Download des Pfarrbriefs bitte auf den Titel klicken.

Liebe Leserinnen und Leser,

„Kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“ – „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“
Diese Fragen stehen dicht hintereinander im Markusevangelium (Markus Kapitel 4, Vers 38 und Vers 40). Die erste stellen die Jünger dem schlafenden Jesus, als sie bei Wind und hohen Wellen auf dem stürmischen See um ihr Leben bangen. Die beiden anderen stellt Jesus den verängstigten Jüngern.

Sturm und Wellen bedrohten die Jünger Jesu, die damals noch so kleine Gemeinde Jesu.
Angesichts der vielfältigen Not, die wir weltweit wahrnehmen, stellen sich uns auch heute allzu viele Fragen:
Wer kümmert sich um den Klimawandel und seine Folgen?
Wer kümmert sich um die Bew ltigung der Pandemie, und um ihre Auswirkungen auf unser gesellschaftliches Zusammenleben, um die angestauten Defizite bei Kindern, Studierenden, Familien, Menschen mit Behinderungen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern?
Wer kümmert sich um die von Missbrauch in der Kirche betroffenen Menschen?
Wer kümmert sich um die, die in vielen Teilen der Welt ihre Heimat auf der Suche nach einer besseren Zukunft verlassen haben, die auf der Flucht vor Krieg und roher Gewalt sind?
Wer kümmert sich um mich, wenn meine körperlichen und geistigen Kräfte schwinden?
Wen interessiert es überhaupt, was in der großen weiten Welt geschieht oder schuldhaft unterlassen wird?

Jesus fragte damals die Jünger: „Warum habt ihr solche Angst?“
Damals ging es um die Angst, zu ertrinken. In der jungen Kirche, in der die Evangelien entstanden sind, stand im Hintergrund die Angst vor Verfolgung und gesellschaftlichem Ausschluss.
Wovor aber haben wir Heutigen Angst?

Von unterschiedlichsten Protagonisten werden in unserer Gesellschaft immer wieder Verlustängste instrumentalisiert. Sei es die gesicherte Zukunftsperspektive im Beruf und im Alter, die Kontrolle über das eigene Kommen und Gehen, die Freiheit des Reisens, die Verfügbarkeit aller Ressourcen, die politische und wirtschaftliche Macht, geistig-geistliche Macht oder letztlich die uneingeschränkte Kontrolle über das eigene und das fremde Leben.

Wovor haben wir in unserer Kirche und auch in unserer Gemeinde Angst? Welche Befürchtungen wirken lähmend und entmutigend?
Das Wachsen und Vergehen, das Entstehen, Verändern und Untergehen ist fester Bestandteil des Lebens. Sich dagegen zu wehren, ist vergebliche Mühe.
Es wird uns zugemutet, dass wir uns im Vertrauen auf die eigenen Möglichkeiten und im Wissen um die eigene Begrenztheit, um all das kümmern, was im Argen liegt. Es geht darum, die positiven, zukunftsweisenden Kräfte in uns und in der Kirche zu mobilisieren und neues Vertrauen zu wecken.
Das Besondere daran ist, dass wir es nicht allein leisten müssen, uns nicht selbst erlösen müssen. Jesus ist mit uns im Boot unseres Lebens. Er fordert auch uns heraus, zu glauben, auf seine Gegenwart zu vertrauen, sich auf ihn einzulassen, selbst wenn er doch anscheinend schläft.
Er ist da, er bietet sich an in Wort und Sakrament, er zwingt uns nicht, er drängt sich nicht auf.

Es liegt an uns, ob wir IHM in diesen Sommertagen, auch und gerade in den Wochen des Urlaubs und der Entspannung dennoch die Frage stellen: „Kümmert es dich nicht, dass…?“ Versuchen wir seine
Antwort darauf zu hören: „Habt ihr denn keinen Glauben?“

Es ist unser Wunsch und unsere Bitte, dass der Glaube an Jesus uns in dieser stürmischen Zeit Kraft schenkt, dass die Hoffnung uns trägt, durch die gegenwärtigen Krisen hindurch an neue Ufer zu gelangen,
dass uns unsre Bereitschaft zu wacher Mitmenschlichkeit antreibt, das gesellschaftliche Miteinander zu verändern, zu verbessern.

Wir wünschen Ihnen/Euch eine erholsame, eine gesegnete Urlaubs- und Ferienzeit!
P. Stephen und P. Klaus