Pfarrbrief

1. Pfarrbrief 2022

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Liebe Leserinnen und Leser!

Nicht erst seit dem 24. Februar schaut die ganze Welt auf die Ukraine und die Menschen, deren Leben bedroht und völlig aus den Fugen geraten ist. Es herrscht Krieg, die seit 30 Jahren geltende Ordnung in Europa ist zerbrochen. Menschen, vor allem Frauen und Kinder, sind auf der Flucht, rund um den Globus gibt es Demonstrationen gegen das verübte Unrecht, Politiker suchen nach Antworten und Gegenmaßnahmen, die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie ist ins Stocken geraten. Auch wenn sich der Winter bei strahlend blauem Himmel von einer schönen Seite zeigt, ist die Gemütslage vieler Menschen sehr betrübt.
Fühlt es sich nicht wie ein verfrühter Karfreitag an? Die Erzählungen der Evangelisten über Jesu umjubelten Einzug in Jerusalem lassen uns erahnen, dass in den Menschen, die mit Jesus unterwegs waren, Erwartungen geweckt worden waren. Sie hatten auf eine grundlegende Verbesserung ihrer Lebenssituation gehofft, auf Ansehen und Sicherheit. Der Evangelist Lukas legt den beiden Jüngern, die niedergeschlagen auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus sind, die Worte in den Mund: „Wir aber hatten gehofft, dass er es sei, der Israel erlösen werde.“ Stattdessen starb ihr Hoffnungsträger am Kreuz.
Und wir? Hatten wir nicht gehofft, dass sich die Vernunft gegen die Machtgier und die Gerechtigkeit sich gegen das Unrecht durchsetzen werde, dass die Folgen der Pandemie mehr und mehr gemildert werden, die Beschränkungen wegfallen und wir uns wieder frei begegnen können?
Angesichts dieser Ereignisse sind die Themen, die durch das Missbrauchsgutachten für unsere Erzdiözese aufkamen, und die sich daraus ergebenden Folgerungen und Forderungen fast in den Hintergrund geraten.
Am 27. Februar fiel in der Sondersitzung des Bundestages das Wort von der „Zeitenwende“, die durch den Angriff auf die Ukraine eingetreten sei. Ich finde das bemerkenswert und frage mich: Wird die Aufarbeitung der durch das Gutachten ans Tageslicht gebrachten Verbrechen, Schandtaten, Vertuschungen, Fehleinschätzungen, Missstände, etc. in unserer Kirche auch zu einer „Zeitenwende“ führen?
Im Bundestag ging es darum, bis dahin Undenkbares (Waffenlieferungen in ein Kriegsgebiet, Aufrüstung der Bundeswehr) nun ernsthaft zu erwägen und zu beschließen. Ein Politiker mit Regierungsverantwortung kommentierte diesen Vorgang sinngemäß mit den Worten: Ob diese Entscheidungen richtig sind und zum Frieden führen werden, wird sich erst in der Zukunft zeigen.
Für die beiden enttäuschten Jünger ereignete sich die große Wende in ihrem Leben, als sie beim Brotbrechen den Gekreuzigten als den Auferstandenen erkannten.
Sie eilten zurück nach Jerusalem, hörten die Geschichten der anderen und erzählten, was sie unterwegs erlebt hatten und wie sie IHN erkannten, als ER ihnen das Brot brach.
Ob auch in der Kirche eine „Zeitenwende“ geschehen kann? Die beim ‚Synodalen Weg‘ diskutierten Themen sind dazu geeignet auch eine Zeitenwende in der Kirche in Deutschland und vielleicht darüber hinaus zu bewirken. Die Inhalte, um die in den vier Foren des ‚Synodalen Weges‘ gerungen wird (Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag; Priesterliche Existenz heute; Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche; Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft), verlangen eine epochale Erneuerung, die nicht auf die Schnelle zu erreichen ist. Dennoch hege ich die Überzeugung, dass eine grundlegende Erneuerung des Glaubens und des kirchlichen Lebens möglich ist, wenn die Synodalen miteinander im Gespräch bleiben, einander zuhören, miteinander nach Antworten suchen und immer wieder mit dem auferstandenen Herrn zu Tisch sitzen.
An diesem Osterfest laden wir Sie ein, mit Jesus und vielen Frauen, Männern und Kindern aus der Gemeinde unterwegs zu sein.
Der Treffpunkt zu einem Spaziergang ist am Ostermontag, um 14:00 Uhr, auf dem Parkplatz von Heilig Kreuz.
Es kann eine Gelegenheit sein, IHM die eigene Geschichte zu erzählen, die der anderen zu hören, gemeinsam die Wärme der „brennenden Herzen“ zu spüren, IHN in der Mitte zu erahnen, neue Kraft zu empfangen, und so jeden Tag aufzubrechen, um Jesu tätige Nächstenliebe konkret werden zu lassen.
Im Namen des gesamten Seelsorgeteams im Pfarrverband wünschen wir Ihnen frohe und gesegnete Ostern!
Der Friede des Auferstandenen sei mit uns allen!

Ihre
P. Klaus und P. Stephen